Die europäischen Krisenländer erholen sich. Die Wettbewerbsfähigkeit steigt, Unternehmer blicken zuversichtlicher in die Zukunft. Mit passenden Anlageprodukten können Anleger von der erwarteten Trendwende profitieren.
Seit Wochen häufen sich die guten Nachrichten aus Südeuropa. Für positive Schlagzeilen sorgte in diesem Sommer zum Beispiel der US-amerikanische Autokonzern General Motors (GM) mit folgender Ankündigung: Ab 2014 soll der Mokka, der kleine Geländewagen der GM-Tochter Opel, nicht mehr allein in Südkorea, sondern auch in Spanien vom Band rollen. 80 Millionen Euro investiert GM in sein Werk in der Nähe von Saragossa. Auch der Opel Corsa soll dort weiterhin gefertigt werden. Noch mehr Geld will VW in Spanien investieren. 785 Millionen Euro sollen in den kommenden fünf Jahren in den Standort bei Pamplona im Norden Spaniens fließen, zitierte das spanische Internetportal Autoblog aus einer Pressemitteilung von VW. Auch andere Autokonzerne haben südeuropäische Länder wieder für sich entdeckt. Nach einem Bericht der Zeitung Die Welt will Renault 1.300 zusätzliche Mitarbeiter in seinen spanischen Werken einstellen, Nissan möchte 1.000 neue Stellen schaffen.
Reformen tragen Früchte
Vier Beispiele, die zeigen, dass in den Krisenländern Europas langsam die Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft keimt. Die Saat dafür wurde bereits im vergangenen Jahr durch Reformen auf dem Arbeitsmarkt gelegt. Im Frühjahr 2012 beschloss die spanische Regierung eine Arbeitsmarktreform, die Wirtschaftsminister Luis de Guindos als „extrem aggressiv“ angekündigt hatte. Dazu zählen verbilligte Kündigungen, mehr Flexibilität für Unternehmen zum Beispiel bei Kurzarbeit und eine verbesserte Berufsausbildung nach Vorbild des deutschen Systems. Rund anderthalb Jahre später geht die Saat auf. Die Arbeitskosten sinken, die Exporte steigen und das Leistungsbilanzdefizit hat ins Plus gedreht – das sagte der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy, als er dem Wall Street Journal im September in seinem Amtssitz, dem Palacio de la Moncloa, ein anderthalbstündiges Interview gab.
Wettbewerbsfähigkeit steigt
In diesen anderthalb Stunden hätte die Arbeitskraft eines Arbeitnehmers in einem spanischen Industriebetrieb, zum Beispiel in einem Autowerk, knapp 34 Euro gekostet. Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) errechnet. Die Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe lagen demnach im vergangenen Jahr bei 22,41 Euro pro Stunde. Zum Vergleich: In Deutschland kostete die Arbeitskraft eines Arbeitnehmers mit knapp 37 Euro in der Stunde mehr als anderthalbmal so viel. In Griechenland lagen die Arbeitskosten im vergangenen Jahr sogar nur bei 14,61 Euro und in Portugal bei 10,05 Euro pro Stunde. „Damit zeigt sich für die Wettbewerbsfähigkeit der nach wie vor arg gebeutelten griechischen Wirtschaft ein Silberstreif am Horizont“, erläutert Christoph Schröder, Arbeitsmarkt-Experte des Instituts der deutschen Wirtschaft, die jetzt vorgestellte internationale Vergleichsstudie. 2011 und 2012 seien die Arbeitskosten in Griechenland um 5 beziehungsweise 7 Prozent zurückgegangen. „Ähnlich positiv verlief die Entwicklung in Portugal. Dort gingen die Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe allein 2012 um 4 Prozent zurück“, berichtet Schröder. Dass sich die Rahmenbedingungen in den europäischen Krisenländern langsam zum Besseren wandeln, haben auch große Finanzinvestoren erkannt, zum Beispiel David Einhorn. Der Hedgefonds- Manager ist einer der prominentesten Investoren in den USA. Mit seinem Privatvermögen, das laut Zeit online auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird, könnte er alleine ein Zehntel der Hilfszahlungen übernehmen, die Griechenland nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den kommenden Jahren benötigt. Und tatsächlich investiert Einhorn jetzt in Griechenland – zwar nicht sein eigenes Geld, aber das seines Hedgefonds Greenlight Capital.
Großinvestoren kehren zurück
„Wir haben mittelgroße Positionen an zwei griechischen Banken erworben: Alpha Bank und Piräus Bank“, teilte er laut Zeit Online im September in seinem regelmäßigen Brief an die Investoren mit. Zwar hätten die beiden Institute in der Schuldenkrise viel Geld verloren, weil sie griechische Staatsanleihen hielten. Inzwischen sei das Kapital der Banken aber gestärkt. Außerdem brächten die griechischen Sparer ihr Geld wieder zu den Banken und die Zahl der nicht bedienten Kredite sänke. Die Beteiligung Einhorns an den beiden griechischen Banken entspricht der klassischen Taktik von Hedgefonds: dann zu investieren, wenn eine negative Entwicklung ins Positive umschlägt. In der Tat zeichnet sich in der Eurozone eine leichte wirtschaftliche Erholung ab. Im zweiten Quartal 2013 legte das Bruttoinlandsprodukt geringfügig um 0,3 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten dieses Jahres zu. Zuvor war die Wirtschaft in den 17 Staaten der Währungsunion insgesamt sechs Quartale in Folge geschrumpft. Als besonders stark erwies sich dabei erneut Deutschland. Die größte Volkswirtschaft Europas verbuchte ein Plus von 0,7 Prozent. Und auch in der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Eurozone, Frankreich, wuchs das Bruttoinlandsprodukt mit 0,5 Prozent überraschend stark. Die Nummern drei und vier des Euroraums, Italien und Spanien, kämpfen sich hingegen nur langsam aus der Rezession. In Italien schrumpfte die Wirtschaft leicht um 0,2 Prozent und in Spanien um 0,1 Prozent.
Rezession geht zu Ende
„Unsere generelle Einschätzung ist, dass die Rezession in der Eurozone langsam zu Ende geht“, sagt Philip Gisdakis, Anlagestratege der UniCredit. Nach jüngsten Prognosen der Bank könnte die Wirtschaft der Eurozone in diesem Jahr zwar insgesamt um 0,3 Prozent schrumpfen. Doch schon im kommenden Jahr soll sie wieder anziehen. Die UniCredit rechnet für 2013 mit einer Steigerung von 1,0 Prozent. In Deutschland könnte die Wirtschaft demnach um 1,5 Prozent steigen, in Frankreich um 0,9 Prozent. Und selbst in Krisenländern wie Italien und Spanien soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder zunehmen, nämlich um 0,6 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent.
Damit ist das Pflänzchen des Wachstums zwar noch klein – neben dem erwarteten BIP-Wachstum deuten aber auch immer mehr Frühindikatoren auf eine Trendwende in der Eurozone hin. Der kombinierte Einkaufsmanagerindex von Industrie und Dienstleistern (PMI) kletterte im September im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Punkte auf 52,2 Zähler. Damit erreichte er den höchsten Wert seit 27 Monaten. Zum Hintergrund: Werte über 50 Punkte deuten auf ein Wachstum hin.
Zuversicht nimmt zu
Zudem stieg der von der EU-Kommission ermittelte Index zur wirtschaftlichen Entwicklung um 1,6 auf 96,6 Punkte. Insbesondere in den vier großen Eurostaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien wuchs die Zuversicht. Sie erfasste den Industrie- und Dienstleistungssektor und vor allem die Baubranche und den Einzelhandel. Auch der ZEW-Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ist in den vergangenen Wochen nach oben geschnellt – dies zeigt die Grafik auf Seite 15. Und so wandelt sich denn auch das Bild von Europa. Wie die Deutsche Welle Anfang Oktober berichtete, hielt der Internationale Währungsfonds (IWF) die Eurozone noch im Frühjahr dieses Jahres für ein Risiko für die Weltwirtschaft, während die Schwellenländer als die großen Hoffnungsträger galten. Nun ist es umgekehrt: Aufgrund ihres nachlassenden Wachstums sind die Emerging Markets die neuen Sorgenkinder, Europa hingegen wird vom IWF gelobt. Der Euroraum habe die Rezession hinter sich gelassen und werde nächstes Jahr ein kleines Wachstumsplus erzielen, zitiert die Deutsche Welle den stellvertretenden Direktor der Forschungsabteilung beim Internationalen Währungsfonds, Jörg Decressin.
Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, November 2013.
Zyklische Branchen interessant
Doch was können private Anleger tun, die davon überzeugt sind, dass sich die europäische Wirtschaft erholt, und von der möglichen Trendwende profitieren wollen? Gleich in den griechischen Bankensektor zu investieren, wie es Hedgefonds- Manager David Einhorn getan hat, dürfte den meisten zu risikoreich erscheinen. „Interessant sind derzeit insbesondere zyklische Branchen“, sagt UniCredit-Experte Philip Gisdakis. Unternehmen solcher Sektoren gehören zu den Firmen, die als Erste von einer Konjunkturaufhellung profitieren. Favorisieren würde Gisdakis vor allem die Branchen Chemie, industrielle Güter und Dienstleistungen sowie Technologie und Versicherungen. Anleger können diese Sektoren mit Open End Index Zertifikaten abdecken. Index-Zertifikate spiegeln die Entwicklung der zugrunde liegenden Aktienbarometer abzüglich einer möglichen Managementgebühr eins zu eins wider. Kurssteigerungen des Index bedeuten somit einen Gewinn für den Anleger. Fällt der Index hingegen, hat dies Verluste für den Investor zur Folge.
Konsolidierung erwartet
Dass die Kurse europäischer Indizes in den kommenden Wochen nachgeben, hält Philip Gisdakis durchaus für möglich. „Ich rechne damit, dass es beim EURO STOXX® zunächst eine Phase der Konsolidierung geben wird, bevor die Kurse möglicherweise weiter steigen“, sagt der Anlagestratege der UniCredit. In den vergangenen Wochen hat der EURO STOXX 50® zwar eine beeindruckende Wertsteigerung erzielt. Nachdem er im Frühjahr dieses Jahres eingebrochen war und am 24. Juni mit 2.512 Punkten den tiefsten Stand der vergangenen sechs Monate verzeichnet hatte, erzielte er seitdem ein Plus von rund 22 Prozent (Stand: 22. November 2013). Trotz der guten Konjunkturprognosen ist die Gefahr eines erneuten Rückschlags aber nicht gebannt. Nach dem Ende der Rezession steht die Wirtschaft in der Eurozone noch auf wackeligen Beinen. „Die Erholung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Wirtschaft bleibt fragil“, so auch Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), vor Kurzem bei einer Veranstaltung des Industrieverbands BDI. Zugleich betonte er aber den positiven Ausblick. Dazu habe auch die EZB mit ihrer Ankündigung beigetragen, künftig Staaten, die unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen, mit Ankäufen von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt unter die Arme zu greifen.
Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, November 2013.
Clever investieren
Für Anleger, die vor diesem Hintergrund mit einer stabilen Kursentwicklung europäischer Aktien rechnen, Kursverluste aber nicht ganz ausschließen möchten, sind zum Beispiel Express Indexanleihen Protect bezogen auf den EURO STOXX 50® (Price-) Index interessant. Mit diesen Anleihen erhalten Anleger unabhängig von der Basiswertentwicklung eine Zinszahlung. Zudem haben sie die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung: Einmal im Jahr wird geprüft, ob der Basiswert auf oder über dem am Auflagetag festgestellten Referenzpreis schließt. Ist dies der Fall, erhalten Anleger 100 Prozent des Nominalbetrages zurück und die Laufzeit endet. Schließt der EURO STOXX 50® dagegen unter diesem Niveau, läuft die Anleihe weiter bis zur nächsten Überprüfung. Sollte der Basiswert am letzten Bewertungstag unter dem Referenzpreis vom Auflagetag liegen, greift die Sicherheitsschwelle. Anleger erhalten auch dann den Nominalbetrag, wenn der Basiswert am letzten Bewertungstag mindestens zum definierten Prozentsatz des Referenzpreises am Auflagetag beträgt. Sollte der Basiswert unter der Sicherheitsschwelle liegen, erfolgt die Rückzahlung entsprechend der Indexentwicklung. Es kommt zu Verlusten. Anleger sollten dabei beachten: Index-Zertifikate und Express Indexanleihen sind Inhaberschuldverschreibungen. Bei einer Insolvenz der Emittentin droht ein Verlust bis hin zum Totalverlust.
Weitere Infos: www.onemarkets.de
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