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08.10.12, 13:30

DAX-Analyse: Börsianer trauen dem DAX kaum mehr etwas zu

"Falls es die Tradition der Bundesbank ist, Preisstabilität sicherzustellen, dann steht die EZB voll in Einklang mit der Tradition."

WGZ Cognitrend Report - das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung

Börsianer trauen dem DAX kaum mehr etwas zu

"Falls es die Tradition der Bundesbank ist, Preisstabilität sicherzustellen, dann steht die EZB voll in Einklang mit der Tradition." Mit diesem Satz machte EZB-Chef Mario Draghi bei der Zinssitzung am vergangenen Donnerstag durch die Blume deutlich, dass es andernorts sehr wohl große Differenzen mit der Bundesbank gibt. Ihr Präsident Jens Weidmann hatte sich im September etwa gegen die neue Maßnahme ausgesprochen, auf Antrag in unbegrenztem Umfang Staatsanleihen zu kaufen (OMT). In punkto Inflation sind die Währungshüter der Eurozone aber allesamt wachsam, zumal der Preisdruck im Währungsraum zuletzt überraschend auf 2,7 Prozent gestiegen war. Draghi beruhigte jedoch die Bedenkenträger: Er hält den Inflationsanstieg für vorübergehend und rechnet nicht mit Zweitrundeneffekten.

Draghi und seine Mannen betonten noch einmal, die Notenbank stünde Gewehr bei Fuß - das OMT-Programm wäre bereit. Doch die Märkte lassen sich durch derlei Lippenbekenntnisse nicht mehr beeindrucken. Solange noch kein einziger Euro geflossen ist - mögliche Kandidaten für das Anleihekaufprogramm sind Spanien oder Slowenien - können die Investoren schließlich kaum bewerten, wie wirksam die Intervention der Notenbank ist. Kein Wunder, dass immer mehr Marktauguren das Potenzial für die Aktienmärkte schwinden sehen. Die DAX-Erholung gilt weithin als ausgereizt: Laut einer Umfrage des ZEW-Instituts sehen die Banken den Leitindex zum Jahresende bei 7.282 Zählern und per Ende März bei 7.463. Überdies fürchten die Börsianer die allerorten schwächelnde Konjunktur. In Deutschland etwa dümpelt die Stimmung der Industrie-Einkaufsmanager schon seit sieben Monaten unter der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten und auch die Stimmung im Service-Sektor ist unterkühlt. Dieses Bild wiederholt sich nahezu überall in Europa und dem Rest Welt. Einzig die Stimmungsdaten aus den USA fielen zuletzt einigermaßen positiv aus ? es ist allerdings fraglich, wie lange das zarte US-Konjunkturpflänzchen noch wachsen kann, wenn die wirtschaftliche Erholung im Rest der Welt immer mehr zum Erliegen kommt.

Dabei wird aber gern vergessen, dass sich gerade viele heimische Anleger in den letzten Monaten vehement gegen die DAX-Erholung gestemmt haben und diese Schieflagen noch nicht allesamt abgebaut sind (siehe Cognitrend Sentiment-Bericht). Neue Jahreshochs (7.510 bzw. 7.640/45) sind daher weiterhin möglich. Die vorerst wichtigste Nachfragemarke liegt bei 7.130/50 - das Niveau schützt gleichzeitig den nach wie vor positiven Ausblick.

Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.



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