US-Inflation im Mai auf Dreijahreshoch
Die gestern veröffentlichten US-Inflationsdaten für Mai zeigten, dass der Preisdruck in den USA vor der jüngsten Entspannung im Nahostkonflikt deutlich zunahm. Der PCE-Preisindex stieg um 0,4% und damit zwar weniger als erwartet, die Jahresrate kletterte jedoch wie erwartet auf 4,1% (von 3,8 % im April). Die Kernrate lag mit 3,4 % unterdessen so hoch wie seit 2023 nicht mehr. Zumindest zeigten die Zahlen aber keine stärker als erwartete Beschleunigung, und die jüngst fallenden Ölpreise dürften das Risiko einer anhaltenden Preisaufwärtsspirale begrenzen.
Der Markt reagierte in Summe daher auch eher freundlich. So nahmen Händler ihre Zinserhöhungswetten auf die Fed leicht zurück, während die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen geringfügig nachgaben. Eine echte Entwarnung ist das aber noch nicht. Denn robuste Konjunkturdaten und niedrigere Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deuteten weiterhin auf eine widerstandsfähige US-Wirtschaft hin. Hinzu kommt, dass der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus erst anläuft, und der Weg hin zu einem nachhaltigen Deal zwischen den USA und dem Iran sich angesichts der großen Differenzen als steinig herausstellen dürfte. Meldungen vom heutigen Morgen über einen mutmaßlichen Drohnenangriff des Iran auf ein Frachtschiff zeigen zudem, dass die Lage weiterhin fragil bleibt.
Chip-Boom: Des einen Leid, des anderen Freud
Dass die Kosten des KI-Booms nun auch langsam beim Endkonsumenten ankommen, konnte gestern am Beispiel von Apple beobachtet werden. Der Tech-Konzern kündigte angesichts steigender Bauteilkosten Preiserhöhungen für seine MacBook- und iPad-Produkte an. Die Aktie rutschte mit einem Minus von 6 % unterdessen deutlich ab. Denn die bombastischen Quartalszahlen des Chipherstellers Micron (die Anleger goutierten dies mit einem Plus von fast 16 % an der Börse) sind wesentlicher Grund, warum Apple tiefer in die Tasche greifen muss. Der Engpass bei Speicherchips treibt die Preise massiv in die Höhe und schürt Ängste vor schrumpfenden Margen.
Börsen runter, Inflationssorgen rauf?
Nachdem gestern die US-Börsen recht gemischt geschlossen haben (der Dow Jones mit neuem Intra-Day-Hoch, der Nasdaq mit Abgaben), legten die Börsen in Asien heute wieder den Rückwärtsgang ein (KOSPI -7,7 %, Nikkei 225 -4,7 %, Hang Seng -1,9 %). Denn auch dort kommen die Nachrichten von Apple zum steigenden Kostendruck nicht gut an. Zudem belasten Gerüchte, wonach OpenAI aufgrund steigender Volatilität am Markt sein geplantes IPO auf 2027 verschieben könnte.
Genau hinsehen werden Marktteilnehmer heute auch auf die von der EZB veröffentlichte Umfrage zu den Inflationserwartungen der Verbraucher. Im Frühjahr waren die Einjahreserwartungen von 2,5 % auf 4,0 % gesprungen - der höchste Stand seit 2023. Die heutigen Mai-Daten werden zeigen, ob dieser Trend sich zuletzt weiter verstetigt hat. Dass die EZB trotz der stark gefallenen Ölpreise die Geldpolitik weiterhin restriktiver gestalten sollte, betonte am Mittwoch Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel. Ihrer Ansicht nach ist das Inflationsziel von 2 % mittelfristig nur mit weiter steigenden Leitzinsen zu erreichen
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