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16.06.26, 08:39

Der blinde Fleck in Ihrem Portfolio? (Folge 3 von 4)

Eine noch junge Assetklasse gewinnt zunehmend institutionelle Aufmerksamkeit. Warum viele Vermögensverwalter dennoch zögern. Und was sich inzwischen verändert hat.

Welche Rolle digitale Assets im Portfolio spielen können

In Folge 2 haben wir gezeigt, dass die eigentliche Hürde bei digitalen Assets selten die Assetklasse selbst ist, sondern die fehlende Übersetzung in die Sprache professioneller Portfoliokonstruktion. Genau diese Übersetzung steht heute im Mittelpunkt.

Dabei lohnt ein Blick auf die Frage, die professionelle Investoren bei jeder neuen Anlageklasse stellen: Welche Funktion kann sie im Portfolio erfüllen?

Denn Vermögensverwaltung beginnt nicht mit der Auswahl einzelner Titel. Sie beginnt mit der Struktur eines Portfolios – und mit der Frage, welche Bausteine unterschiedliche Risiko- und Renditequellen liefern.

Aktien stehen für unternehmerisches Wachstum. Anleihen für planbare Zahlungsströme. Alternative Anlagen für zusätzliche Diversifikation und illiquiditätsbedingte Prämien. Digitale Assets lassen sich in diese Logik einordnen, sofern man sie nicht als isoliertes Phänomen betrachtet, sondern als eigenständige Anlageklasse mit eigenen Werttreibern.

Dabei helfen drei Prinzipien, die professionelle Vermögensverwalter bereits kennen.

Risikomanagement: Struktur schlägt Verzicht

Der häufigste Einwand gegen digitale Assets lautet: zu volatil. Doch dieser Einwand verwechselt die Assetklasse mit einer bestimmten Art, in sie zu investieren.

Ein unstrukturiertes Bitcoin-Investment ist tatsächlich volatil. Es ist aber auch kein Risikomanagement. Es ist Klumpenrisiko. Dasselbe gilt für ein Aktienportfolio, das ausschließlich aus einer Einzelposition besteht.

Volatilität ist kein Argument gegen digitale Assets. Sie ist ein Argument für Struktur.

Stablecoin-Strategien haben ein fundamental anderes Risikoprofil als Bitcoin. Bitcoin verhält sich anders als kleinere Kryptowährungen. DeFi-Protokolle folgen anderen Werttreibern als tokenisierte Sachwerte. Wer digitale Assets segmentiert, ähnlich wie ein klassisches Portfolio zwischen Aktien, Anleihen und Alternatives unterscheidet, erhält steuerbare Ertragsquellen statt eines undifferenzierten Risikopakets.

Hinzu kommt ein portfoliotheoretischer Aspekt, der in der Diskussion über digitale Assets häufig untergeht. Eine Anlage kann für sich genommen volatil sein und dennoch einen positiven Beitrag zur Portfolioeffizienz leisten, wenn ihre Renditeentwicklung nicht vollständig mit anderen Anlageklassen korreliert.

Digitale Assets haben in vielen Marktphasen gezeigt, dass ihre Zyklen eigenen Mechanismen folgen. Daraus entsteht ihr potenzieller Diversifikationsbeitrag. Nicht trotz ihrer Andersartigkeit, sondern gerade wegen ihr.

Genau deshalb betrachten viele institutionelle Investoren digitale Assets heute nicht mehr primär als Einzelinvestment, sondern als mögliche zusätzliche Ertragsquelle innerhalb eines diversifizierten Portfolios.

Systematik: Datenbasierte Entscheidungen statt Marktmeinungen

Digitale Assets haben eigene Marktzyklen, und diese Zyklen sind messbar. On-Chain-Daten liefern Einblicke in Netzwerkaktivität, Kapitalflüsse und Marktstimmung. Makroökonomische Liquiditätsbedingungen beeinflussen digitale Assets ähnlich wie andere risikobehaftete Anlageklassen. Und der Marktzyklus der Assetklasse selbst folgt erkennbaren Mustern, die sich systematisch auswerten lassen.

Das bedeutet nicht, dass digitale Assets einfach zu prognostizieren sind. Das sind traditionelle Märkte auch nicht. Es bedeutet, dass datenbasierte Entscheidungsprozesse hier genauso funktionieren wie dort, vorausgesetzt, man wendet sie konsequent an.

Wer Allokationsentscheidungen in digitalen Assets von Marktmeinungen und Medienzyklen abhängig macht, wird scheitern. Wer sie systematisch auf Basis messbarer Indikatoren trifft, hat denselben Vorteil wie in jedem anderen Markt: Er agiert, statt zu reagieren.

Transparenz: Regulierung als Fundament

MiCAR schafft seit 2024 erstmals einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen für digitale Assets. Emittenten, Dienstleister und Verwahrstellen unterliegen klaren Anforderungen. BaFin-regulierte Strukturen existieren, und mit ihnen die Möglichkeit, in digitale Assets zu investieren, ohne den regulatorischen Boden zu verlassen, auf dem professionelle Vermögensverwaltung steht.

Das verändert nicht nur die rechtliche Lage. Es verändert auch das Gespräch mit Mandanten. Wer heute über digitale Assets in regulierten Strukturen spricht, spricht nicht mehr über ein Nischenphänomen, sondern über eine beaufsichtigte Anlageklasse mit definierten Standards.

Digitale Assets als möglichen Baustein professioneller Portfolios zu verstehen bedeutet daher nicht, bestehende Überzeugungen aufzugeben. Es bedeutet, sie konsequent anzuwenden, auf ein neues Terrain.

Nicht als Ersatz für bestehende Anlageklassen. Nicht als spekulative Wette. Sondern als möglicher zusätzlicher Diversifikationsbaustein innerhalb eines strukturierten Portfolios, verwaltet nach denselben Prinzipien, die professionelle Vermögensverwaltung seit Jahrzehnten tragen.

Lesen Sie in Folge 4, warum diese Aufgabe für Vermögensverwalter weniger neu ist, als sie zunächst scheint, und welche Frage Ihre Mandanten Ihnen schon heute stellen könnten.

Wenn Sie über genau diese Frage nachdenken: Sprechen Sie mit uns.

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