23.05.16, 10:15

DAX-Check: Zinserhöhung als Zeichen der Stärke

Zu den derzeit wichtigsten Einflussfaktoren auf das Börsengeschehen zählen die Abstimmung Großbritanniens über den Verbleib in der EU (Brexit) und die Erwartungen an die Zinspolitik der US-Notenbank.
DAX-Check: Zinserhöhung als Zeichen der Stärke

Zu den derzeit wichtigsten Einflussfaktoren auf das Börsengeschehen zählen die Abstimmung Großbritanniens über den Verbleib in der EU (Brexit) und die Erwartungen an die Zinspolitik der US-Notenbank. In beiden Fällen hat es in der abgelaufenen Handelswoche spürbare Veränderungen gegeben. So zeichnete sich in den jüngsten Umfragen zum Brexit eine deutliche Mehrheit für einen Verbleib Großbritanniens in der EU ab. Allerdings ergab sich bei genauerem Hinsehen ein großer Unterschied (vgl. politicalbetting.com) zwischen den Telefon- und den preisgünstigeren Internet-Umfragen. Während im ersten Fall die EUFreunde deutlich in Führung lagen, lag das Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern eines Brexit im Cyberspace Kopf an Kopf.

Aber die Umfragen sagen nur wenig über die Wahlbeteiligung der Briten beim Referendum aus. Gerade unter den jüngeren Wählern (vgl. Opinium/Observer) lassen sich viele EU-Befürworter finden, während sich mehr als die Hälfte der über 55-Jährigen zuletzt für einen Brexit aussprachen. Es sind aber auch die älteren Wähler, von denen mehr als 80 Prozent der Befragten versprachen, tatsächlich auch am 23. Juni zur Wahlurne zu gehen. Bei den 18 bis 24-jährigen liegt das Interesse am Referendum hingegen gerade mal bei gut 20 Prozent. Mit anderen Worten: Nur eine hohe Wahlbeteiligung der jungen Wähler könnte die Wahrscheinlichkeit eines Brexit deutlich senken.

Während in Sachen Brexit demnach eine leichte Entspannung an der Börse eingetreten ist, hat im Gegenzug das Protokoll der US-Notenbank zur vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) viele Akteure zum Umdenken bewegt. Denn die Chancen für eine Zinserhöhung im Juni oder Juli in den USA haben sich deutlich erhöht. Zumal selbst als Zinstauben bekannte FOMC-Mitglieder wie der einflussreiche Fed- Chef von New York, William Dudley, einem Zinsschritt gegenüber spürbar offener gegenüber stehen. Zwar wird immer wieder betont, dass eine positive Entwicklung der Fundamentaldaten Voraussetzung für eine Zinserhöhung sei, doch bleiben die ökonomischen Entwicklungen weiterhin schwer zu prognostizieren. Insofern kann man davon ausgehen, dass eine Zinserhöhung – unabhängig von den Wirtschaftsdaten – in erster Linie dazu dienen soll, Handlungspuffer für schwierigere Zeiten aufzubauen. Deswegen sollte eine kleine Zinserhöhung, möglicherweise sogar die letzte vor den US-Wahlen, von den Börsianern nicht als Bedrohung, sondern als Zeichen der Stärke interpretiert werden.

Am Ende blieb der DAX auch während der vergangenen Woche in seiner breiten Konsolidierung zwischen 9.460 (leicht modifiziert) und 10.150/60 Zählern. Nach wie vor kann nur nach Überschreiten von 10.240 Punkten ein frischer, stärkerer bullisher Impuls gesetzt werden.

Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.


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