17.03.16, 10:30

Themen-Check: Lieber Lotterie und Lose als solide Investments?

Gerade hat sich der Nuklearunfall von Fukushima zum fünften Mal gejährt. Besonders in Deutschland protestierten damals die Bürger gegen die weitere Nutzung atomarer Energie, weil sie davon ausgingen, dass die Risiken für Unfälle dieser Größenordnung höher seien, als dies in der Wissenschaft bis dahin angenommen wurde.
Themen-Check: Lieber Lotterie und Lose als solide Investments?

Gerade hat sich der Nuklearunfall von Fukushima zum fünften Mal gejährt. Besonders in Deutschland protestierten damals die Bürger gegen die weitere Nutzung atomarer Energie, weil sie davon ausgingen, dass die Risiken für Unfälle dieser Größenordnung höher seien, als dies in der Wissenschaft bis dahin angenommen wurde. Tatsächlich kann es sein, dass Atomkraftwerke nicht ausreichend gegen Erdbeben, gegen Flugzeugabstürze oder terroristische Attacken geschützt sind. Dennoch bleibt die Wahrscheinlichkeit einer Atomkatastrophe äußerst gering. Aber unter dem Eindruck der damaligen Ereignisse erschien den Bürgern das Risiko für eine ähnliche Katastrophe hierzulande ausgesprochen hoch. In Deutschland stieg die Nachfrage nach Geigerzählern und Schutzausrüstungen; sogar die Bundesregierung sah sich damals zu einer dramatischen Kehrtwende in ihrer Atompolitik gezwungen.

Die Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten spielt bei der Beurteilung von Finanzmärkten und deren Risiken ebenfalls eine wesentliche Rolle. Aber auch im Alltag kann eine Fehleinschätzung etwaiger Chancen und Risiken fatale Folgen haben. So wundert es nicht, dass die wohl wichtigsten Begründer der Behavioral Economics, Daniel Kahneman und Amos Tversky, dem Konzept unterschiedlich wahrgenommener Wahrscheinlichkeiten im Rahmen ihrer Arbeiten einen großen Stellenwert einräumten. Denn normalerwiese sollte ein Entscheider eine Gewinn- bzw. Verlustwahrscheinlichkeit von 50 Prozent auch als fifty-fifty- Chance bewerten. Und eine Gewinnwahrscheinlichkeit von rund eins zu 140 Millionen – das entspricht etwa der Chance, sechs Richtige mit Superzahl im Lotto zu tippen – so gering einschätzen, wie sie es tatsächlich ist. Während jeder Homo oeconomicus Lottospiele auf Grund ihrer schlechten Ausschüttungsquote ablehnen würde, spielen an jedem Wochenende Millionen Menschen ungebrochen Lotto, mit immer derselben Hoffnung: irgendwann den großen Jackpot zu knacken. Genauso bereitwillig schließen sie teils überteuerte Versicherungen gegen Risiken ab, die als extrem gering gelten dürfen.

Wie Wahrscheinlichkeiten in der Realität bewertet werden, soll das folgende, wenngleich extreme Beispiel veranschaulichen. So stelle man sich vor, man sei in eine ziemlich ausweglose Lage geraten und sehe sich gezwungen, „Russisches Roulette“ zu spielen. Bei diesem Glücksspiel mit eventuell tödlichem Ausgang hält sich der Spieler einen Revolver an den Kopf, von dessen sechs Kammern eine mit der todbringenden Patrone gefüllt sei. Wie viel Prozent Ihres Vermögens würden Sie dafür opfern, dass diese eine Patrone aus dem Revolver entfernt wird? Die meisten Menschen antworten auf diese Frage, dass sie einen großen Teil ihres Vermögens, wenn nicht sogar alles, was sie besitzen, dafür hergeben würden. Nun stelle man sich vor, dass vier der sechs Kammern mit Patronen gefüllt sind. Was wäre man bereit zu zahlen, damit von den Kammern statt vier nur drei mit Patronen bestückt werden? Hier fallen die Antworten in der Regel ganz anders aus. „Viel weniger als im ersten Fall“ oder „gar nichts“.

Tatsächlich wird in beiden Fällen die Wahrscheinlichkeit, zu überleben, jeweils um ein Sechstel erhöht. Doch im ersten Fall bedeutet das Entfernen der einen Patrone so etwas wie eine Überlebensgarantie, während sich im zweiten Fall das Risiko zu sterben, „lediglich“ von vier Patronen (4/6) auf drei Patronen (3/6) verringert. Eigentlich hätte man nach der klassischen Entscheidungstheorie für jede Patrone denselben Preis bezahlen müssen. In der Realität sind die Menschen jedoch geneigt, für Sicherheit wesentlich mehr Geld zu bezahlen als für eine bloße Veränderung der Wahrscheinlichkeiten in gleicher Größenordnung.

Bei jeder Entscheidung ergeben sich hinsichtlich der Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten zwei extreme Referenzpunkte: Unmöglichkeit und Sicherheit, null (für Verluste) und 100 Prozent (für Gewinne). Dabei zeigt sich, dass der Veränderung einer Wahrscheinlichkeit von eins auf null Prozent bzw. von 99 Prozent auf absolute Sicherheit wesentlich mehr Gewicht verliehen wird als der Veränderung einer mittleren Wahrscheinlichkeit, etwa von 49 auf 50 Prozent, die kaum wahrgenommen wird. Deshalb mögen viele Menschen Spiele oder Investments besonders gerne, die mit einer extrem geringen Chance auf sehr hohe Gewinne versehen sind, aber ansonsten eigentlich enttäuschende Resultate liefern: Lottospiele, der Kauf von günstig aussehende Optionen, Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die kurz vor der Pleite stehen etc. Und das alles nur, weil Menschen nun einmal dazu neigen, die noch so gering erscheinende Aussicht auf einen großen Geldsegen deutlich zu überschätzen.

Interessanterweise fühlen sich andererseits Anleger von regelmäßigen, zufriedenstellenden Ergebnissen, verbunden mit der sehr geringen Wahrscheinlichkeit eines extremen Verlusts, oft nicht sonderlich angezogen. Diese statistische Verteilung von Gewinnen und Verlusten findet man vor allen Dingen bei Aktien, insbesondere Substanzwerten, und bei Staatsanleihen vor. Und obwohl bei diesen Wertpapieren moderate Gewinne recht häufig auftreten, besteht das minimale Risiko eines Desasters, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit überproportional stark wahrgenommen wird.

Die Neigung vieler Anleger, bestimmte Derivate oder lotterieähnliche Investments zu bevorzugen, drückt sich natürlich auch im Preis aus. So verlockend etwa notleidende Wertpapiere mit der Chance auf riesige Gewinne aussehen mögen, schneiden sie in der Regel unterdurchschnittlich ab. Genauso wie der allwöchentliche Lotto-Schein, mit der unverwüstlichen Hoffnung auf den Jackpot, gemessen am zu erwartenden Gewinn immer viel zu teuer sein wird.

Den gesamten WGZ Newsletter "Goldbergs Wochenausblick" sowie den monatlichen WGZ Newsletter "Goldbergs Thema des Monats" erhalten Sie kostenfrei auf WGZ-Zertifikate.de. An gleicher Stelle finden Sie auch allgemeine Informationen zu Behavioral Finance und den WGZ Newslettern "Goldbergs Wochenausblick" und "Goldbergs Thema des Monats" in unserer Kurzerläuterung.

Selbstverständlich können Sie sich auch für den Newsletter kostenlos bei uns registrieren!
  WGZ Newsletter "imBlick":
Ihr Newsletter für Börsentrends und
strukturierte Produkte der WGZ BANK.
Jetzt probelesen!
Entdecken Sie die Zertifikate der WGZ BANK.
•  Aktienanleihen
•  Express-Zertifikate
•  Bonus-Zertifikate
•  Discount-Zertifikate
Fragen und Anregungen
WGZ BANK AG
Zertifikate-Infoline:+ 49 211 778-1334
zertifikate@wgzbank.de
Ludwig-Erhard-Allee 20
40227 Düsseldorf
Rechtliche Hinweise:
Dieses Dokument ist lediglich eine unverbindliche Stellungnahme der Firma Goldberg & Goldberg, Inhaber Joachim Goldberg, zu den Marktverhältnissen und den angesprochenen Anlageformen zum Zeitpunkt der Herausgabe der vorliegenden Information. Erläuternde Hinweise zu "Goldbergs Wochenausblick" und "Goldbergs Thema des Monats" können Sie der Kurzerläuterung "Goldbergs Wochenausblick & Goldbergs Thema des Monats" unter wgz-zertifikate.de entnehmen.

Das Dokument beruht unserer Auffassung nach auf als zuverlässig und genau geltenden allgemein zugänglichen Quellen, ohne dass wir jedoch eine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der herangezogenen Quellen übernehmen können. Insbesondere sind die diesem Dokument zugrunde liegenden Informationen weder auf ihre Richtigkeit noch auf ihre Vollständigkeit und Aktualität überprüft worden. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit können wir daher nicht übernehmen. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers / der Verfasser wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung der WGZ BANK oder der mit ihr verbundenen Unternehmen dar. Die in dieser Veröffentlichung zum Ausdruck gebrachten Meinungen können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Die WGZ BANK ist nicht dazu verpflichtet, diese Veröffentlichung zu aktualisieren, zu ändern oder anzupassen oder einen Leser auf irgendeine Art und Weise darüber zu informieren, dass sich ein/eine hierin beschriebene/r Sachverhalt, Meinung, Prognose, Vorhersage oder Einschätzung ändert oder nach der Veröffentlichung unrichtig wird. Weder die WGZ BANK noch ihre verbundenen Unternehmen übernehmen irgendeine Art von Haftung für die Verwendung dieser Publikation oder deren Inhalt durch den Empfänger oder Dritte. Diese Veröffentlichung darf nicht ohne die vorherige schriftliche Einwilligung der WGZ BANK (auch nicht teilweise) kopiert, weitergegeben, verteilt oder veröffentlicht werden. Bei Zitaten wird um Quellenangabe gebeten. Die vorliegende Veröffentlichung dient lediglich einer allgemeinen Information und ersetzt keinesfalls eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestellte anleger- und objektgerechte Beratung. Sie stellt keine Finanzanalyse im Sinne des § 34b WpHG, Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Handeln dar. Für individuelle Beratungsgespräche wenden Sie sich bitte an die Mitarbeiter Ihrer Bank. Sie sollten eine Anlageentscheidung keinesfalls alleine aufgrund dieser Informationen treffen. Dieses Dokument richtet sich nicht an Personen mit Wohn- und/oder Gesellschaftssitz und/oder Niederlassungen im Ausland, vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Großbritannien oder Japan.

Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.

Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.