21.01.16, 10:30

Themen-Check: Fragwürdige Strategien zur Verlustbewältigung

Die allermeisten mögen wohl nicht damit gerechnet haben, dass die wichtigen Börsen weltweit gleich zu Jahresbeginn derartig abstürzen würden. Allein der DAX hat während der ersten beiden Wochen des neuen Jahres mehr als den ganzen Gewinn von 2015 wieder hergeben müssen.
Themen-Check: Fragwürdige Strategien zur Verlustbewältigung

Die allermeisten mögen wohl nicht damit gerechnet haben, dass die wichtigen Börsen weltweit gleich zu Jahresbeginn derartig abstürzen würden. Allein der DAX hat während der ersten beiden Wochen des neuen Jahres mehr als den ganzen Gewinn von 2015 wieder hergeben müssen. Geradezu schockartig dürften die Erlebnisse für diejenigen gewesen sein, die gerade erst zum Ende des Vorjahres einen DAX-Stand von etwa 10.700 Punkten festgeschrieben hatten. Sei es auch nur, dass man sich mancherorts im Kopf zumindest reich gerechnet hatte. Und es ist genau dieser Bezugspunkt, der nun vielen Investoren Kopfzerbrechen bereitet. Denn was soll man angesichts eines derartigen Verlustes tun?, wird sich manch einer fragen. Eine Strategie – wenn auch nur im Nachhinein – muss her.

Es ist gerade einmal zwei Monate her, da haben wir uns an dieser Stelle mit der ewigen Streitfrage beschäftigt, ob Verlustbegrenzungen sinnvoll sind. Nun wäre manch einer froh, er hätte womöglich seine Aktien frühzeitig verkauft, statt auf einem wahrgenommenen Buchverlust von mehr als 10 Prozent während der ersten 14 Tage zu sitzen. Und gerade dieses Mal haben sich die Aktienmärkte so schnell verändert, dass man sich plötzlich in einer psychischen oder materiellen Situation wiederfindet, die man nicht so einfach wegstecken kann. „Soll ich jetzt noch verkaufen?“, ist eine der Standardfragen, die man von Akteuren gestellt bekommt, die in Ermangelung eines Notfallplans einem solchen Kurssturz mit einem veritablen Aktienengagement ungläubig zugesehen haben. Insgeheim möchte niemand in dieser Situation von seinem Berater diese Frage mit „Ja“ beantwortet bekommen. Denn das hieße möglicherweise nicht nur, seine Aktien am ungünstigsten Punkt zu verkaufen. Außerdem kommt zu dieser Abneigung, einen aufgelaufenen Buchverlust zu realisieren (Verlustaversion), noch das mögliche Bedauern (Regretaversion) hinzu, falls die Kurse sich anschließend deutlich erholen sollten.

Andere wiederum, die womöglich weiterhin Geld auf der hohen Kante haben, könnten in Versuchung geraten, zu ihrem bereits bestehenden, unter Wasser liegenden Engagement noch kräftig hinzu zu kaufen, allein um den Einstandspreis zu drücken (Verbilligen). Das Ganze nicht mit der Absicht, noch Gewinne zu machen, sondern nur noch, um mit heiler Haut aus dem Schlamassel herauszukommen. Schon längst geht es nicht mehr um Gewinne. In vielen Fällen mag diese Strategie aufgehen, aber wenn nicht, wird die ganze Angelegenheit erst richtig teuer. Denn das Verbilligen geht nur um den Preis eines erhöhten Risikos.

Am Ende scheint also alles nur eine Frage des Bezugspunktes zu sein, der darüber entscheidet, ob wir ein Engagement als Gewinn oder als Verlust wahrnehmen. Davon hängt es auch ab, ob ein Marktteilnehmer (bei Gewinnen) eher handelt, oder (bei Verlusten) wie gelähmt im Nichtstun verharrt. Die meisten Akteure neigen in einer solchen Verlustsituation eher zu einem „mentalen Arrangement“ und machen daraus eine langfristige Strategie.

Zu diesen mentalen Arrangements passt auch folgende Geschichte eines Freundes, der sich entschloss, einer karitativen Einrichtung eine Spende zukommen zu lassen. Auf einen Überweisungsträger trug er die Summe von 1.000 Euro ein und verschloss ihn in einem Briefumschlag, der in einem seiner Jacketts landete. Aus unerfindlichen Gründen geriet der Brief in Vergessenheit. Zwei Wochen später hatte der gute Freund allen Grund sich zu ärgern, weil er 800 Euro für eine Autoreparatur zu berappen hatte. Missmutig griff er in sein Jackett und hatte plötzlich den vergessenen Briefumschlag mit der Überweisung an die Caritas in der Hand. „Wunderbar“, dachte er und zerriss den Briefumschlag. „Von diesem Geld kann ich das Auto reparieren, und vom Rest gehe ich mit meiner Frau schön essen.“

In der Finanzpsychologie spricht man in diesem Zusammenhang von mentaler Kontoführung. Will sagen, dass Menschen für jede Entscheidung, die sie treffen, ein eigenes Konto im Kopf führen. Oftmals unbewusst. Mal fallen Gewinne, mal Verluste an. Und weil Letztere nun einmal schwerer auf der Seele lasten als Gewinne in gleicher Höhe, wundert es nicht, dass man sich bei der Verwaltung dieser Konten größtmögliche Gestaltungsfreiheit einräumt. Mit dem Ziel, sich nach all diesen Transaktionen besser zu fühlen. Leider oftmals zulasten dessen, was ökonomisch sinnvoll wäre. So erging es auch unserem Freund, der sowohl die geplante Spende als auch die Autoreparatur als zwei Verluste begriff. Zum Glück hatte die karitative Einrichtung von der heimlichen Umbuchung vom Spenden- aufs Kfz- Konto nichts gewusst. So entstanden nur ein Verlust und schließlich ein zusätzlicher Gewinn in Form eines Abendessens.

Auch in den Finanzmärkten spielt die mentale Kontoführung eine wichtige Rolle. So bevorzugen Anleger viele kleine Gewinne – als Ausgleich für einen großen Verlust – gegenüber einem einzigen großen Profit, dem möglicherweise zahlreiche kleine Verluste gegenüberstehen. Weil man eben Verluste lieber laufen lässt und Gewinne frühzeitig mitnimmt. Und wenn sich schließlich der große Sturm am Aktienmarkt gelegt haben sollte, werden oft die profitablen Positionen – auch aus anderen Anlageklassen – geschlossen, um einen Buchverlust eventuell aussitzen zu können. So fühlen sich Anleger mit dieser Strategie deutlich besser, obwohl sich ökonomisch zunächst nichts verändert hat. Wer allerdings auf diese Weise sein Depot „aufräumt“, wird sich möglicherweise am Ende nur noch mit seinen Verlierern herumschlagen und ist mit seinen Investments überdies auch noch schlechter diversifiziert. In allen Fällen kann dieses Streben nach Wohlbefinden richtig Geld kosten.

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