20.01.16, 11:00

Öl bleibt schwach, Gold verzeichnet leichte Erholung

Obwohl die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran am Wochenende nicht überraschend kam, sind die Ölpreise angesichts dieser Meldung zunächst weiter gefallen.
Vontobel
Öl bleibt schwach, Gold verzeichnet leichte Erholung

Obwohl die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran am Wochenende nicht überraschend kam, sind die Ölpreise angesichts dieser Meldung zunächst weiter gefallen. Bei den Exporten von Öl und Gas unterliegt der Iran ab sofort keinen Beschränkungen mehr. Das Land hat allerdings angekündigt, seine Ölexporte angesichts des Ölpreisverfalls zunächst vorsichtig und mit Weitsicht steigern zu wollen. Dennoch sind die Tiefststände der beiden Ölsorten spektakulär: In der Nacht zum Montag verbilligte sich WTI auf 28,36 US-Dollar je Barrel und fiel damit auf das niedrigste Preisniveau seit Oktober 2003 zurück. Brent gab auf 27,67 US-Dollar nach und erreichte damit den tiefsten Stand seit November 2003.

Im Handelsverlauf des Montags stieg der WTI-Preis jedoch wieder über die Marke von 30 US-Dollar je Barrel. Brent zog bis auf 29 US-Dollar gen Norden. Dennoch bewegen sich die Preise rund 2 Prozent unter den Schlusskursen vom Freitag vergangener Woche. „Die Aussicht von zusätzlichem Öl aus dem Iran dürfte einer Preiserholung bis auf weiteres entgegenstehen, die Preise aber nicht mehr stark belasten", schätzen die Rohstoffanalysten der Commerzbank die Lage ein. Tatsächlich könnte die vorläufige Ausweitung der iranischen Ölausfuhren um 500.000 Barrel pro Tag in die aktuellen Ölnotierungen bereits eingepreist sein. Zugleich ist es unwahrscheinlich, dass der Iran seine Fördermenge im laufenden Jahr weiter anheben kann. Zu groß ist der Investitionsbedarf in die zum Teil seit Beginn des UN-Embargos im März 2012 außer Betrieb genommenen Anlagen. Wegen der ausbleibenden Einnahmen aus dem Ölgeschäft hat der Iran seit knapp vier Jahren nicht mehr in die Ölinfrastruktur investieren können. Zum Vergleich: Der Irak und Libyen benötigten infolge des Produktionsstillstands in den Kriegen 2003 bzw. 2011 rund zwölf Monate, um das ursprüngliche Produktionsniveau wieder zu erreichen. Der Iran könnte nach Jahren der Sanktionen deutlich länger brauchen, um seine Ölproduktion wieder hochzufahren.

Eine Reihe von schwachen US-Konjunkturdaten hatte am Freitag überraschend die Stimmung an den Aktienmärkten getrübt. Gold zog daraufhin von einem am Donnerstag erreichten Tiefstand bei 1.070 US-Dollar deutlich bis auf rund 1.100 US-Dollar je Feinunze an. Zum Wochenauftakt notiert Gold bei 1.090 US-Dollar, nahezu unverändert zum Schlusskurs am Freitag. In Euro gerechnet pendelt die Feinunze um 1.000 Euro. Die leichte Erholung des Goldpreises könnte mit den aufkommenden Zweifeln der Marktteilnehmer zusammenhängen, ob die US-Notenbank kurzfristig zu weiteren Zinsschritten in der Lage ist. Fed-Mitglied Eric Rosengren machte in der vergangenen Woche überraschend seinen Bedenken Luft, die abflauende Weltkonjunktur könnte rasch einen negativen Einfluss auf die US-Konjunktur ausüben. In ihrem in der vergangenen Woche veröffentlichten „Beige Book" kommt auch die Fed selbst zu der Einschätzung, dass der starke Dollar und der Ölpreisverfall die Verbesserungen am Arbeitsmarkt und bei den Konsumausgaben zunichtegemacht hätten. Noch zum Jahreswechsel war der Fed-Vizechef Stanley Fischer von bis zu vier Zinserhöhungen im Jahr 2016 ausgegangen.

Sollten die Zinsen nur äußerst behutsam oder vorerst gar nicht angehoben werden, verharren die Opportunitätskosten des zinslosen Goldes auf geringem Niveau. Angesichts der jüngsten Entwicklung stellte Bloomberg am Freitag wieder einen merklichen Zufluss von 4,4 Tonnen in die wichtigsten Gold-ETFs fest, wobei vor allem der SPDR Gold Trust, weltgrößter Gold-ETF, profitierte. Wie Bloomberg vorrechnet, haben sich damit die Zuflüsse seit Jahresbeginn auf 27,6 Tonnen erhöht. Die jüngsten Daten der CFTC-Statistik passen in dieses Bild: In der Woche zum 12. Januar bestanden erstmals seit neun Wochen keine Netto-Short-Positionen mehr, wie die Rohstoffanalysten der Commerzbank beobachten. Die rekordhohen Netto-Short-Positionen sind damit innerhalb von zwei Handelswochen vollständig abgebaut worden.

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*) Stand: 19.01.2016

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