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Themen-Check: Verlustbegrenzung - ein ewiger Streit
Verluste laufen lassen oder begrenzen – das ist für viele Teilnehmer an den Finanzmärkten eine permanente Frage. Die Vernunft erklärt einem, dass man in vielen Situationen, gerade bei massiven Kurseinbrüchen vom DAX oder Einzelwerten, mit einer Verlustbegrenzung besser gefahren wäre. Aber dann meldet sich sofort das Bauchgefühl und hält dagegen, dass mitunter gerade durch das Aussitzen entstandene Verluste wieder wettgemacht werden können, sofern man nur Geduld und Nerven genug hat, um zu warten. Denn in den allermeisten Fällen – gerade auch in diesem Jahr – habe sich doch immer wieder gezeigt, dass am Ende alles gut gegangen sei. Wer hingegen eine Notbremse in Form eines „Stopp-Loss“ installiert habe, so ist oftmals zu hören, der habe statt eines schönen Gewinnes eine ansehnliche Serie von Verlusten in seinen Büchern stehen. Überdies gebe es doch mittlerweile jede Menge so genannter "Flash Crashes“ (Blitzkorrekturen), in deren Verlauf etwa der Aktienmarkt innerhalb einer Nacht zunächst 10 Prozent seines Wertes verloren, sich anschließend aber genauso schnell wieder erholt habe. Mit anderen Worten: Wer sein Engagement mit einer Verlustbegrenzung absichert, läuft Gefahr, nicht nur an einem wahrscheinlich ungünstigen Zeitpunkt aus dem Markt geworfen zu werden, sondern auch den Wiedereinstieg zu verpassen. Gewinner, so argumentieren die Befürworter des Aushaltens, seien diejenigen, die die Zähne zusammengebissen und abgewartet hätten. Ob allerdings eine solche Strategie sich bewährt, weiß man immer erst hinterher. Es gibt zahlreiche Beispiele, bei denen Kursstürze an Finanzmärkten nicht wieder wettgemacht wurden. Man denke nur an Besitzer von Telekom- Aktien oder Dotcom-Werten zur Jahrtausendwende. Manch einer wäre froh, hätte er damals diszipliniert gehandelt, statt heute noch auf Verlusten von teilweise bis zu 80 oder 90 Prozent zu sitzen. Ganz zu schweigen von all den Totalverlusten, die viele Akteure schon längst ausgeblendet haben. Häufig wird auch der Einwand vorgebracht, dass, wer sich von vornherein mit einer Verlustbegrenzung in den Finanzmärkten engagiere, entweder an mangelndem Selbstbewusstsein leide oder dermaßen risikoscheu sei, dass er sein Geld doch lieber gleich anderswo verdienen solle. Wenn wirklich mal alles gegen einen laufe, könne man ja immer noch einen sogenannten mentalen Stopp-Loss im Hinterkopf aktivieren oder je nach Situation rechtzeitig reagieren. Abgesehen davon, dass einem vermutlich niemand im Vorhinein sagen kann, was „rechtzeitig“ eigentlich bedeutet, sprechen zwei psychische Einflussfaktoren gegen eine derartige Verfahrensweise. Denn die Menschen sind nicht gerade gut im Prognostizieren. Vor allem, wenn es um eigene künftige Gewinne und Verluste geht. Oder im weiteren Sinne um das eigene Verhalten vor und nach einer Entscheidung. So ist vielen Anlegern und Investoren nicht klar, wie sehr sich unsere Wahrnehmung in dem Moment ändert, wenn man selbst an der Börse oder auch anderweitig engagiert ist. Denn mit jeder Entscheidung entsteht eine emotionale Bindung zu derselben, das so genannte Commitment. Diese Bindung steigt nicht nur mit der Größe des Einsatzes, sondern vor allen Dingen immer dann, wenn Verluste entstehen. Und je größer die Verluste, desto höher die Bindung und die Aversion, eine solche Entscheidung rückgängig zu machen. Andererseits gewöhnt man sich mit der Zeit so sehr an Verluste (Adaption), dass sie in der Wahrnehmung immer kleiner zu werden scheinen, obwohl sie immer noch gleich hoch sind. Manchmal verändern sich Märkte allerdings so rapide, dass der Gewöhnungsprozess an die Verluste nicht so schnell hinterher kommt. Und das sind genau die Situationen, die Anleger psychisch oder aus Geldnot plötzlich nicht mehr aushalten: Sie geraten in Panik, lösen überhastet ihr Engagement auf, sie kapitulieren. Wer an der Börse systematisch Geld verdienen will, statt sein Geld womöglich jahrelang in Verlustengagements zu binden, sollte vor dem Einstieg Vorsorge für den Exit treffen. Sowohl, wenn die Dinge gut laufen, als auch, wenn sie sich nicht wie gewünscht entwickeln. Denn vor einem Engagement ist das Commitment noch gering genug, um einen (Notfall)plan auszuarbeiten. Vor allem wenn sich Verluste rasant aufbauen, fangen Anleger an zu zweifeln, ob Durchhalten tatsächlich die richtige Strategie ist. Zweifel, die man vor dem Einstieg nie für möglich gehalten hätte. Sicherlich muss eine Verlustbegrenzung nicht ausschließlich an Marktpreise gebunden sein. Man könnte ja auch aussteigen, wenn bestimmte Voraussetzungen, die man ursprünglich einmal als Grundlage für seine Entscheidung gewählt hat, nicht mehr gegeben sind. Abgesehen davon, dass man sich in einer Zeit, in der die Finanzmärkte durch Notenbankinterventionen massiv beeinflusst werden, schwertun wird, an fundamentale Maßstäbe oder Gewinnerwartungen von Unternehmen zu glauben, spielt uns die Psyche mitunter einen Streich. Denn die selektive Wahrnehmung dieser Zahlen, unter dem Eindruck von Verlusten, verhindert, einigermaßen objektiv zu bleiben. Marktpreise als Resultat von Angebot und Nachfrage sind hingegen klar und unmissverständlich. Wer indes an ein Aktienengagement ohne Netz glaubt, etwa nach dem Motto: Ich investiere heute, vergesse das ganz schnell, um erst 10 oder 15 Jahre später wieder nach meinem Engagement zu sehen, riskiert nicht nur, bessere Investments zu verpassen, sondern zum falschen Zeitpunkt aufzuwachen. Denn eine Garantie darauf, dass was jahrelang gut ging, auch mit Sicherheit in Zukunft funktionieren wird, die gibt es nicht. |
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