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Themen-Check: Hedonomics - die Ökonomik des Glücks II
Es gibt viele Faktoren, die sowohl unser tägliches Wohlbefinden als auch unsere Selbstbehauptung an den Finanzmärkten beeinflussen. Dies war eine der Erkenntnisse, die sich aus dem Thema des Monats August gewinnen ließen. Der Beitrag hatte sich mit der Ökonomik des Glücks befasst und soll an dieser Stelle fortgesetzt werden. So wissen die meisten Menschen zwar im Allgemeinen, was sie möchten, entscheiden sich aber dennoch, vor allem wenn Geld ins Spiel kommt, für Dinge, die möglicherweise nur kurzfristig eine gewisse Zufriedenheit bringen. Langfristig bewirken sie aber eher das Gegenteil. Die Unfähigkeit der Menschen, insbesondere der Akteure an den Finanzmärkten, einschätzen zu können, welche Empfindung ein Gewinn oder ein Verlust in der Zukunft auslösen könnte, sorgt dafür, dass sie niemals mit der Rationalität eines Homo Oeconomicus entscheiden können. Die Psychologen Elisabeth W. Dunn und Daniel T. Gilbert haben das einmal so ausgedrückt: „Wenn Geld Sie nicht glücklich macht, dann geben Sie es vermutlich nicht auf die richtige Weise aus.“ Bereits die Erinnerung an vergangene Ereignisse als Rückgriff auf bewährte Muster spielt uns häufig einen Streich. So bedient man sich gerade unter dem Zeitdruck, der an den Finanzmärkten herrscht, findiger Faustregeln, um der Informationsflut Herr zu werden und schnell zu einem Urteil zu gelangen. Jene funktionieren wie Abkürzungen im Denken mit einem Verlust an Komplexität. Woran denkt man zurück, wenn man im Nachhinein die Einladung zu einer wunderbaren Dinner-Party rekapitulieren soll? Was bleibt von einer 20-prozentigen Korrektur im DAX im Gedächtnis hängen? Sicherlich nicht die ganze Abfolge des Abendessens und glücklicherweise auch nicht alle emotionalen Anfechtungen, die man während der Verlustphase seines Engagements erlebt hat. Der sogenannte Peak-End-Effekt sorgt vielmehr dafür, dass das Gehirn nicht die komplette Episode abspeichert. Vielmehr führt unter anderem die menschliche Anpassungsfähigkeit (Adaption) dazu, dass das Gedächtnis nur Momentaufnahmen dieser Ereignisse bewahrt. Und so gewinnen bei der Beurteilung eines zurückliegenden Ereignisses der Höhepunkt und das Ende der Geschichte besonders an Gewicht. Mit anderen Worten: Der so genannte Peak-End-Effekt bewirkt eine grobe Näherung für die nachträgliche Einschätzung, die sich aus dem Durchschnitt zwischen Extrempunkt und Ende des Ereignisses ergibt. Deswegen bietet es sich an, eine Party dann zu verlassen, wenn die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht hat. In den Finanzmärkten werden deshalb Gewinne häufig zu früh mitgenommen. Andererseits wird damit auch die Aversion gegen Stopp- Loss-Orders verständlich, die einen Verlust ausgerechnet am ungünstigsten Punkt in der Historie eines Aktienengagements festschreiben. Denn vereinfacht gesagt, wird der „Worst Case“ im Gedächtnis behalten: Der Durchschnitt aus der stärksten Ausprägung dieses Verlustes und dessen ebenso negativen Endstand. Andererseits: Das Aussitzen eines Verlustes bessert im Nachhinein, falls sich die Kurse erholen sollten, dieses Erlebnis als Ganzes auf. Die so abgespeicherten Erfahrungen sorgen übrigens für das oft beschriebene Bauchgefühl bei Händlern, Anlegern und Investoren. Genau deswegen schmerzt der disziplinierte Handel an der Börse so sehr. Doch man kann sich an diese Schmerzen gewöhnen. Die Gewöhnung sorgt aber auch dafür, dass sich die meisten Menschen dabei verschätzen, wie sich ein Gewinn in der Zukunft anfühlen wird. Künftige Gewinne und Verluste werden nämlich abgewertet (diskontiert) – Profite übrigens stärker als Verluste in gleicher Höhe. Mehr aber noch sorgt die starke anfängliche („quasi-hyperbolische“) Abwertung künftiger Gewinne dafür, dass es häufig zu einer Präferenzumkehr kommt: Ein kleiner Profit, der sofort zu haben ist, wirkt plötzlich attraktiver als ein größerer Gewinn, der einem erst in der Zukunft zuteil werden wird. Vernachlässigen sollte man jedoch auch nicht die Frage, wie viel Freude man aus der Erfüllung eines lang gehegten Wunsches oder aus einem großen Geldgewinn ziehen kann. So sorgen etwa alltägliche Ablenkungen dafür, dass der Kauf des lang ersehnten Traumautos nur für eine relativ kurze Zeit Zufriedenheit bringt. Denn bereits auf dem Nachhauseweg können ein unvorsichtiger Radfahrer, plötzliche Überstunden oder ein unangenehmes Gespräch mit dem Ehepartner derart ablenken, dass der Glanz der neuen Karosse ganz schnell verblasst. Die Palette dessen, was unser kurzfristiges Wohlbefinden beeinflusst, ließe sich beliebig erweitern. Ein wichtiger Einflussfaktor bei der Bewertung von Gewinnen und Verlusten ist der Referenzpunkt, von dem aus diese wahrgenommen werden. Mag dies bei einem Aktienengagement der Einstandspreis sein, sorgen Vergleiche mit Bekannten, Kollegen und Verwandten (soziale Vergleiche) dafür, dass ein Gewinn von 100.000 Euro plötzlich seinen Wert verliert, weil jemand anderes aus diesem Kreis ebenfalls 100.000 Euro gewonnen hat. Genauso kann ein Verlust möglicherweise an Gewicht verlieren, wenn man feststellt, dass ein Bekannter oder Freund genauso viel verloren hat. Es ist das Streben nach kurzfristigem Wohlbefinden, das am Ende viel Geld kosten kann und langfristig nicht einmal glücklicher macht. Umgekehrt lässt sich jedoch mit dem Verzicht auf eine kurzfristige Belohnung am Ende oftmals mehr Zufriedenheit erwerben. |
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