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Themen-Check: Hedonomics - die Ökonomik des Glücks
In Amerika ist es ein verbrieftes Grundrecht, aber nicht nur dort treibt es die Menschen immerfort an und manchmal auch rastlos um: das Streben nach Glück. Und obgleich sich Philosophen schon seit der Antike damit beschäftigt haben, hat das Thema Glück die traditionelle Ökonomie bis heute kaum erreicht. Vor allem deren Modell, der Homo Oeconomicus, kennt keine Glücksgefühle, sondern möchte in jeder Situation und bei jeder Entscheidung nur im Eigeninteresse seinen ökonomischen Nutzen maximieren. Gerade weil dieses Modell so gar nicht der Realität entspricht, versucht die Verhaltensökonomik mittlerweile herauszufinden, was die Menschen neben dem Ziel, möglichst viel Geld zu verdienen, vielleicht sogar noch stärker motivieren könnte. Denn die meisten möchten bei ökonomischen Entscheidungen oder bei ihren Investments an der Börse nicht nur einen möglichst großen Gewinn erzielen, sondern sich dabei auch noch wohlfühlen. Ja, sie sind sogar bereit, für mehr Wohlbefinden auf einen Teil ihrer Rendite zu verzichten. Und so ist es auch kein Wunder, dass gerade in den vergangenen Jahren unter dem volkstümlichen Begriff „Glücksforschung“ nicht nur dem Einzelnen auf der Suche nach seinem persönlichen Lebensglück geholfen, sondern gleich ganze Gesellschaften zufriedener gemacht werden sollen. Auch die Verhaltensökonomik möchte unter dem Begriff der so genannten „Hedonomics“ ihre Erkenntnisse in der Weise einbringen, dass diese am Ende nicht nur zu glücklicher machenden, sondern auch zu dauerhaft zufriedenstellenden ökonomischen Entscheidungen führen. Allerdings steht die Glücksforschung immer noch am Anfang. Allein bei der Frage, was Glück eigentlich ist, sind sich die Philosophen seit dem Altertum nicht einig geworden. Jeder meint zu wissen, was das sei, aber beschreiben lässt sich Glück nicht, und eine allgemein gültige Definition davon existiert ebenfalls nicht. Der Verhaltensforscher Paul Dolan bezeichnet etwa Glück als “Erfahrung von Freude und Sinnhaftigkeit im Verlauf der Zeit“ – eine tragfähige und durchaus zutreffende Definition. Wenn man sich aber schon mit der Definition von Glück schwertut, muss es noch schwieriger sein, Glück zu messen. Gerade während der vergangenen 40 Jahre wurde zwar intensiv geforscht, wobei Psychologen und Soziologen Tausenden von Menschen immer wieder Fragen zu ihrem Befinden stellten. Fragen, bei denen man grundsätzlich unterscheiden muss, ob es um eine generelle Einschätzung der Lebensqualität, also des Lebens als Ganzes geht oder um eine momentane Gefühlslage (emotionales Wohlbefinden). Denn man kann einen schlechten Tag haben und trotzdem sein Leben insgesamt als ausgesprochen positiv betrachten. Bei der Bewertung des Lebens als Ganzes geht es um Lebensziele und Wünsche, es geht um das Leben im Vergleich zu den selbst gesteckten Zielen. Im Gegensatz dazu meint man mit „kleinem Glück“ den aktuellen Gemütszustand, die kurzfristigen emotionalen Einschätzungen. Eine der wichtigsten Fragen, die nicht nur die Teilnehmer an den Finanzmärkten immer wieder beschäftigt, ist typischerweise, ob Geld glücklich macht. Eine weit verbreitete Einsicht lautet: Nein. Doch man muss differenzieren. Bei der Bewertung des Lebens als Ganzes spielen Geld und Einkommen eine ganz andere Rolle als bei einer kurzfristigen Betrachtung des emotionalen Wohlbefindens. Tatsächlich lässt sich die allgemeine Lebenszufriedenheit mit Geld steigern: Je reicher jemand ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er sein Leben generell als positiv ansieht. Dennoch: Die glücksstiftende Wirkung von Geld nimmt mit jedem weiteren Euro weniger zu. Lediglich auf prozentualer Basis steigt die Lebenszufriedenheit immer weiter an. Mit anderen Worten: Ein Millionär wird nach der Verdoppelung seines Vermögens sein Leben ähnlich besser bewerten wie ein armer Mensch nach der Verdoppelung des Seinigen. Das gilt jedoch nicht für das kurzfristige emotionale Wohlbefinden. So hat etwa der Nobelpreisträger Daniel Kahneman (zusammen mit dem britischen Ökonom Angus Deaton) für USBürger herausgefunden, dass Geld oberhalb eines jährlichen Haushaltseinkommens von 75.000 $ für den alltäglichen Gemütszustand keine Rolle mehr spielt. Man kann sich allerdings umgekehrt vorstellen, wie negativ das kurzfristige alltägliche Wohlbefinden derjenigen Menschen beeinflusst wird, die ihre Grundbedürfnisse nicht zuverlässig decken können. Viele Menschen fragen sich auch, ob sich Glück vermehren oder gar konservieren lässt. Dieses Streben nach kurzfristigem Wohlbefinden beeinflusst auch ökonomische Entscheidungen oder das Verhalten der Börsianer. Alleine hinter der menschlichen Neigung, Gewinne möglichst häufig und deswegen oftmals zu früh zu realisieren, steckt im Prinzip nichts anderes als das Bedürfnis, das damit verbundene Wohlbefinden möglichst häufig zu wiederholen. Als ob sie wüssten, dass diese kleinen Glücksgefühle ohnehin nicht allzu lange anhalten. Dafür sorgt die Gewöhnung, die man auch als größten Feind des Glücks bezeichnen könnte. Sie bewirkt, dass man aus mehreren mittelgroßen Geschenken mehr Befriedigung zieht als aus einer einzigen riesigen Zuwendung, die zwar anfangs als großartig, mit der Zeit aber aufgrund der abnehmenden Sensitivität relativ schnell als normal empfunden wird. Genauso geht es den Anlegern mit den Börsengewinnen: Lieber viele kleine Profite als einen ganz großen, an den man sich alsdann gewöhnt. Natürlich gibt es noch viele andere Faktoren, die unser tägliches Wohlbefinden und die Selbstbehauptung an den Finanzmärkten beeinflussen. Auf diese soll im zweiten Teil dieses Beitrags im Thema des Monats September ausführlich eingegangen werden. Soviel sei allerdings schon jetzt verraten: Kurzfristiges Wohlbefinden an den Finanzmärkten kostet langfristig fast immer Geld. |
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