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21.05.15, 11:15

Themen-Check: Steigende Vermögenspreise - die etwas andere Inflation?

Die Verursacher dieser so genannten Vermögenspreisinflation sind schnell gefunden: Die Notenbanken. Infolge der im Jahr 2007 einsetzenden Finanzkrise fluteten vor allem die Zentralbanken Japans und der USA den Markt in einem noch nie dagewesenen Ausmaß mit Geld.

Themen-Check: Steigende Vermögenspreise - die etwas andere Inflation?

Vor kurzem wurde beim Auktionshaus Christie‘s in New York ein Gemälde von Pablo Picasso für 179 Millionen US-Dollar verkauft. Damit handelt es sich um das teuerste Kunstwerk, das jemals versteigert worden ist. Aber nicht nur einzelne Kunstwerke erzielen zurzeit Höchstpreise; immer wieder ist von Spekulationsblasen am Immobilienmarkt zu hören. Und bei den Anleihen droht hierzulande gerade sogar eine solche (vermeintliche) Blase zu platzen, ganz zu schweigen von Aktien, die zumindest noch vor ein paar Wochen vielerorts als überbewertet galten. Der Begriff der „Vermögenspreisinflation“ macht immer häufiger die Runde.

Die Verursacher dieser so genannten Vermögenspreisinflation sind schnell gefunden: Die Notenbanken. Infolge der im Jahr 2007 einsetzenden Finanzkrise fluteten vor allem die Zentralbanken Japans und der USA den Markt in einem noch nie dagewesenen Ausmaß mit Geld. Allein die US-Notenbank brachte drei quantitative Lockerungsprogramme (QE 1-3) auf den Weg, um Wachstum und Inflation zu beschleunigen. Und seit Januar setzt sogar die Europäische Zentralbank auf Anleihekäufe, deren Volumen am Ende mehr als 1,1 Billionen Euro betragen soll.

Schon zu Beginn des ersten quantitativen Lockerungsprogramms in den USA warnten viele Wirtschaftsforscher davor, dass infolge der massiven Gelddruckerei der Notenbanken die Verbraucherpreise explosionsartig ansteigen könnten. Doch es ist anders gekommen. Die vielerorts verblüffende Erkenntnis, dass die Geldschwemme der Zentralbanken weder dies- noch jenseits des Atlantiks zu einer Inflation der Verbraucherpreise in Höhe der angestrebten Zielmarke von zwei Prozent geführt hatte, sollte schnell zu einer anderen Erklärung führen.

Tatsächlich ist das in Umlauf gebrachte Geld der Notenbanken nie dorthin gewandert, wo diese es erwartet hätten. Vielmehr sorgten bei zahlreichen Anlegern die Angst vor einer rasanten Geldentwertung sowie immer weiter fallende Renditen dafür, dass der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark Recht bekommen sollte. Dieser hatte nämlich einmal in einem Zeitungsinterview geäußert: “Liquidität findet immer einen Weg, entweder steigen die Verbraucherpreise oder die Vermögenspreise“.

Um diese Entwicklung besser bewerten zu können, hat das Flossbach von Storch Research Institute den FvS Vermögenspreisindex entwickelt. Dieser erfasst die Preisentwicklung des Vermögens eines durchschnittlichen deutschen Haushalts, bestehend aus Finanz- und Sachvermögen. Zum Finanzvermögen gehören vor allem Aktien, Rentenwerte, Spar-und Sichteinlagen, aber auch Gold und Rohstoffe. Andererseits zählen Immobilien (diese stellen mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent die größte Position dar) und Betriebsvermögen, aber auch Sammel- und Spekulationsobjekte wie Automobile und kostbare Weine zum Sachvermögen. Und siehe da: Der FvS Vermögenspreisindex zeigte zuletzt im ersten Quartal 2015 eine Steigerung von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal an, während die Konsumentenpreise im selben Zeitraum etwa stagnierten (Spiegel online vom 20. Mai). Treibende Kraft für diesen Zuwachs war übrigens ein Anstieg der Aktienvermögen von 21,3 Prozent sowie der Immobilienpreise um 5,6 Prozent.

Genauso bedeutsam ist jedoch eine weitere Erkenntnis der „FvS Denkfabrik“: Denn die Experten fanden heraus, dass zumindest in den Jahren 2006 bis 2015 Zinsänderungen der EZB der Entwicklung der Vermögenspreise tendenziell vorausgingen. So führten die Zinssenkungen der Jahre 2009 bis 2014 zu steigenden Vermögenspreisen, woraus sich umgekehrt – mit gewissen Vorbehalten – folgern ließe, dass eine Beendigung der ultraniedrigen Zinsphase zu deren Einbruch führen dürfte.

Ist nun statt einer Verbraucherpreis- eine Vermögenspreisinflation entstanden? Das bleibt umstritten. Während die einen die Verbraucherpreisinflation an einem Warenkorb festmachen und die Entwicklung der Vermögenspreise nicht als eine Form der Inflation verstehen, fordern andere, dass die EZB bei ihrer Zielvariablen für Preisstabilität auch Vermögenspreise berücksichtigen solle. Dennoch: Viele Haushalte können gar nicht in vollem Umfang von steigenden Vermögenspreisen profitieren – so legten nach vorgenannter Studie die Vermögenspreise der unteren Mittelschicht (diese befinden sich statistisch im vorletzten Fünftel der Erhebung) nur um 3,7 Prozent zu!

Die Diskussion darüber, ob es sich bei den Vermögenspreisen nicht nur um relative Preisänderungen gegenüber anderen Gütern handelt, zeigt zumindest ein dringliches Problem auf. Aus Angst vor Geldentwertung, gepaart mit ultraniedrigen Zinsen, haben sich die Anleger nach Alternativen umgesehen, wie sie im Falle einer neuerlichen Finanzkrise den Wert ihres Geldes zuzüglich einer auskömmlichen Rendite bewahren können. So waren zuletzt Sachwerte wie Gold und Immobilien für die Sicherheit und Aktien sowie Anleihen von Schuldnern nicht erstklassiger Bonität aus Renditegesichtspunkten stark nachgefragt.

Ob das eine sinnvolle Strategie war, wird sich erst herausstellen, wenn diese Anlagen eines Tages wieder aufgelöst werden. Und welche Anlageform am Ende als beste abschneidet, ist nicht primär eine Frage der Inflation, sondern häufig eine Frage der Handelbarkeit. Denn einen Picasso kaufen mag noch relativ einfach sein, sofern man über das notwendige Kleingeld verfügt. Viel schwieriger ist der Verkauf – vor allen Dingen in Zeiten der Not –, wenn etwaige Interessenten plötzlich abtauchen oder aber nicht bereit sind, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Dann erweist sich die Wahl der richtigen Anlageklasse, um der Inflation zu entkommen, als reine Glückssache.


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