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12.07.13, 13:15

JP Morgan setzt Rohstoffe auf die Buy-List

Analysten von JP Morgan sprechen zum ersten Mal seit September 2010 eine Empfehlung zum Übergewichten von Rohstoffen aus: Zuletzt sind deren Preise nochmals stark unter Druck geraten - Anzeichen, dass die chinesische Wirtschaft langsamer wächst und die US-Notenbank ihr Stimulusprogramm QE3 in naher Zukunft zurückfahren könnte, hatten den Preisrutsch bewirkt.
Vontobel
JP Morgan setzt Rohstoffe auf die Buy-List

Analysten von JP Morgan sprechen zum ersten Mal seit September 2010 eine Empfehlung zum Übergewichten von Rohstoffen aus: Zuletzt sind deren Preise nochmals stark unter Druck geraten - Anzeichen, dass die chinesische Wirtschaft langsamer wächst und die US-Notenbank ihr Stimulusprogramm QE3 in naher Zukunft zurückfahren könnte, hatten den Preisrutsch bewirkt.

Wie JP Morgan in seinem jüngsten Rohstoffausblick "Commodity Markets Outlook and Strategy" argumentiert, haben viele Rohstoffpreise inzwischen so starke Verluste hinnehmen müssen, dass Rohstoffunternehmen ihre Produktion zurückfahren - was zu Angebotsverknappungen führen könnte und damit neue Nachfrage bewirken könnte. Tatsächlich lohnt es sich nach den heftigen Einbrüchen des Goldpreises - um ein Beispiel herauszugreifen - für die Minenbetreiber immer weniger, das Edelmetall zu fördern. Der Preis für eine Feinunze ist im laufenden Jahr deutlich gefallen; Ende Juni 2013 wurde die Unze sogar für unter 1200 US-Dollar gehandelt. Gelingt es den Förderern angesichts dieses niedrigen Preisniveaus nicht, ihre Kosten in bedeutendem Umfang zu senken, droht zahlreichen Firmen die Pleite.

Minengesellschaften brauchen nach eigenem Bekunden einen Goldpreis von mindestens 1500 US-Dollar, um wirtschaftlich produzieren zu können. Kurzzeitige Schwankungen im Preis können natürlich im Fall eines dicken Kapitalpolsters aufgefangen werden - ein permanentes Tiefpreisniveau sorgt jedoch für wachsende Beunruhigung. Auch unabhängige Experten gehen von Produktionskosten zwischen 1500 bis 1600 US-Dollar pro Feinunze aus. Etwa die Hälfte der Minengesellschaften ist auf dem derzeitigen Niveau nicht profitabel, wird von Branchenkennern geschätzt. Rote Zahlen blinken jedoch nicht zuletzt deshalb in der Bilanz auf, weil viele Förderunternehmen angesichts der kräftigen Preiszuwächse bei Gold in den vergangenen Jahren keine Veranlassung gesehen hatten, ihre Kostenstruktur effizienter zu gestalten, während zugleich die Förderländer bei Steuern und Abgaben zulangten - ein guter Teil der Krise ist deshalb hausgemacht.

Die Krise zieht derweil ihre Kreise: Allein Barrick Gold, weltgrößter Goldproduzent, muss mehr als 5 Milliarden US-Dollar für ein gigantisches Minenprojekt in den Anden abschreiben. Andere Marktteilnehmer - wenn sie die Möglichkeit dazu haben - konzentrieren sich auf das Ausbeuten ihrer Minen mit höherem Goldanteil und fahren die Arbeit in weniger ertragreichen zurück.

Weil über die vergangenen Monate auch die Preise von Industriemetallen, etwa Kupfer, nahe an ihre Produktionskosten herangerutscht sind, ist JP Morgan angesichts dieser Lage der Überzeugung, den Anlegern ein Übergewichten des Rohstoffsektors im Portfolio empfehlen zu können. Diese Empfehlung sei jedoch nicht mit einer generellen Entwarnung gleichzusetzen. Das Risiko für weitere Preisrückgänge bleibe hoch, vor allem bei Metallen. Vieles hänge auch vom weiteren geldpolitischen Kurs der Fed ab, womit die JP Morgan-Rohstoffstrategen mit den Goldman Sachs-Analysten Damien Courvalin und Jeffrey Currie einer Meinung sind: Sie erwarten weitere Verluste beim Goldpreis im Zusammenhang mit der bevorstehenden Rückführung der Fed-Geldpolitik.

Dennoch rät JP Morgan den Anlegern wachsam zu sein und die Gunst der Stunde zu nutzen: "Obwohl wir mit unserer Kaufempfehlung möglicherweise etwas früh dran sind, sind wir keinesfalls zu früh. Es ist uns lieber, dass wir in unserem Demo-Konto frühzeitig umschichten, als wenn Anleger zu spät ihr Echtgeld-Konto umbauen", argumentieren die JP Morgan-Analysten. Ihr aktueller Ausblick mündet in der Feststellung, dass die meisten Rohstoffanleger gut beraten sein könnten, beim aktuellen Preisstand zu kaufen - und damit der ersten Rohstoff-Kaufempfehlung von JP Morgan im Verlauf von zwei Jahren zu folgen.

Andere Analysten hingegen begründen, warum der Goldpreis sogar noch unter 1.100 US-Dollar fallen könnte: Für sie stellen Förderkosten mitnichten eine natürliche Preisuntergrenze dar, der Goldpreis könne locker darunter fallen, argumentierten sie. Als Beispiel wird die jüngste Veröffentlichung von überraschend guten US-Arbeitsmarktdaten genannt. So hat trotz einer starken Überschneidung des Goldpreises mit den Produktionskosten Gold noch keinen wirklich tragfähigen Boden ausbilden können: Starker Verkaufsdruck kann immer wieder aufkommen - obwohl Gold zuletzt den größten Quartalsverlust seit 1920 eingefahren hat.

Im Gegensatz zu JP Morgan rufen deshalb auch die Analysten der Société Générale zur Vorsicht. Michael Haigh, Head of Commodities Research bei Société Générale, prognostiziert in einer aktuellen Analyse einen Goldpreis von 1.200 US-Dollar je Feinunze bis zum vierten Quartal 2013 und 1.150 US-Dollar bis Jahresende 2014. Auch die Deutsche Bank hat ihre Goldpreisprognose für 2013 kürzlich auf 1.431 Dollar pro Unze gesenkt. 2014 könne der Preis vieleicht auf 1.338 US-Dollar fallen, heißt es. Der Abwärtstrend bei Metallen und Rohstoffen wie Gold, Kupfer, Kohle, Eisenerz könnte lange Zeit anhalten und nahelegen, so der Analyst James Kann, "dass Anleger vorsichtig bleiben sollten".

Wie obige Ausführungen zeigen, sind Meinungen zur Entwicklung der Rohstoffpreise sehr uneinheitlich. Anleger sollten in jedem Fall beachten, dass die Preisentwicklung von Rohstoffen von einer Vielzahl wirtschaftlicher und politischer Faktoren abhängt, die bei der Bildung einer Markterwartung berücksichtigt werden sollten. Auch sind vergangene Wertentwicklungen und Analystenmeinungen kein hinreichender Indikator für künftige Wertentwicklungen.


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