Die griechische Schuldenkrise hält die Finanzmärkte weiter in Atem. Zwar hat das Parlament dem Ministerpräsidenten Papandreou sein Vertrauen ausgesprochen, aber ob es bis Ende dieses Monats auch einem weiteren Sparpaket zustimmt, ist alles andere als ausgemacht. Somit steht auch die jüngste Kurserholung an den Börsen auf tönernen Füßen.
Dies gilt um so mehr, als sich auch das konjunkturelle Umfeld eintrübt. Vor allem die US-Wirtschaft hat im ersten Halbjahr viel Schwung verloren. Nun ringen Demokraten und Republikaner um eine Lösung im Haushaltsstreit. Hebt der Kongress die zulässige Obergrenze für die Staatsverschuldung nicht an, so könnte die Weltmacht Nummer Eins im August ihre Rechnungen nicht mehr zahlen. Zum Äußersten wird es wohl nicht kommen, am Ende dürfte jedoch ein Kompromiss stehen, der auch Ausgabenkürzungen umfasst und damit das Wachstum weiter drückt. Zudem läuft Ende Juni das „QE2“ genannte Programm der Geldschöpfung via Kauf von Staatsanleihen durch die Notenbank aus. Den Börsen droht damit der Liquiditäts-Treibstoff knapp zu werden. Dass die Anleger wählerischer werden, zeigen auch Ereignisse wie die Absage des Börsenganges der Glassparte des französischen Konzerns Saint-Gobain und der Flop des an die Wall Street gegangenen Internetradios Pandora Media. Ob die kommende Berichtssaison wieder so positiv ausfällt wie die vorangegangenen, erscheint ebenfalls fraglich. Die Gewinnwarnung des Elektrokonzerns Philips erscheint hier als Menetekel.
Die Aktienmärkte werden noch Zeit benötigen, um diese Belastungsthemen auszudiskutieren. Erst wenn sich die Ansicht durchsetzt, dass der Zug des Konjunkturaufschwungs lediglich eine Langsamfahrstelle passiert, werden die Aktienmärkte ihr aus fundamentaler Sicht vorhandenes Kurspotenzial nach oben ausschöpfen.
Quelle: Dr. Berndt Fernow, LBBW Investment Strategy