23.05.12, 10:50

Schöne neue digitale Welt

Schöne neue digitale Welt

Der Axel-Springer-Konzern macht den Sprung vom klassischen Printverlag zum modernen Medienunternehmen. Das Geschäft mit Apps für mobile Geräte und Internetportale verspricht Wachstum.

Was haben die Bild-Zeitung, das Immobilienportal immonet und die Preissuchmaschine idealo gemein? Sie alle gehören zur Axel Springer AG. Der Berliner Medienkonzern geht mit der Zeit und setzt nicht mehr nur auf Print, sondern auch auf das Internet – mit Erfolg. Der Verlag verdient immer mehr Geld mit Onlinemedien. So liegt der digitale Werbeumsatz gleichauf mit den Erlösen nationaler und internationaler Printmedien. Die Onlinemedien von Springer erwirtschaften inzwischen jeden dritten Euro des gesamten Konzernumsatzes. Davon können viele andere Verlage nur träumen. Dass die Axel Springer AG in der digitalen Welt angekommen ist, zeigen auch ihre beiden Print-Flaggschiffe. Das Boulevardblatt Bild verkauft täglich mehr als 100.000 digitale Ausgaben, bei der überregionalen Zeitung Die Welt sind es mehr als 15.000 elektronische Exemplare. Haupttreiber dieser Nachfrage sind mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablet-Rechner, über die immer mehr Leser erreicht werden. Die Strategie des Konzerns „Gutes Geld für guten Journalismus“ geht auf. Über iPhone, iPad & Co. werden neue und einfache Abrechnungssysteme hervorgebracht. Sie sind das Kernstück von Applikationen (Apps), mit denen die Inhalte von Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendern kostenpflichtig zum Kunden transportiert werden können.

Mit der Internetzeitung Geld verdienen

Bezahlte Internetinhalte – mit diesem Geschäftsmodell ging der Medienkonzern vor rund zwei Jahren an den Start. Dass Zeitungsverlage im Internet Geld verdienen, ist nicht selbstverständlich und war vor gut einem Jahrzehnt längst noch nicht gesagt. Das Internet war zunächst mehr Fluch als Segen für die Zeitungsverlage und schien seinerzeit das Ende der klassischen Printzeitung einzuläuten. Zeitungen finanzierten sich zum damaligen Zeitpunkt noch zum Großteil über Printanzeigen. Maßgeblicher Faktor für den baldigen Einbruch der Printmedien war die Umsonstkultur des Internets („Gratisjournalismus“). Sie löste die schwerste Medienkrise seit Einführung der Drucktechnik aus. Auch der Springer-Verlag hatte Anfang des Jahrtausends mit sinkenden Absatzzahlen und einbrechenden Anzeigenerlösen zu kämpfen.

Digitale Medien steigern Umsatz

Dass jedoch der Wandel vom Print- zum Onlinezeitalter in der Zwischenzeit geschafft wurde, verdeutlichen folgende Zahlen: 2004 erzielte der Konzern noch 98 Prozent seines Umsatzes im Printbereich und nur 2 Prozent über digitale Medien. 2011 lag das Verhältnis von Print zu Online bei rund zwei Drittel zu einem Drittel und als Ziel für die kommenden Jahre peilt der Konzern das 50:50-Verhältnis an. Mit einem Rekordgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 593 Millionen Euro legte das Medienunternehmen im Jahre 2011 gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zu. Die digitalen Medien steuerten dazu 158 Millionen Euro bei, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einziger Wermutstropfen: Während die Werbeeinnahmen bei den digitalen Medien wuchsen, gingen sie im Printbereich zurück. Trotzdem ist das Printgeschäft immer noch hochprofitabel. Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit nationalen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften einen Gewinn (EBITDA) von knapp 460 Millionen Euro.

Quelle: HypoVereinsbank onemarkets Magazin, Mai 2012.

Der 1985 verstorbene Unternehmensgründer Axel Springer hätte vermutlich seine helle Freude an der Konzernentwicklung gehabt. Am 2. Mai 2012 wäre der Berliner Verleger 100 Jahre alt geworden. In weiser Voraussicht sagte er 1978: „Ich werde nicht aufhören, den Anspruch der Verleger auf Teilhabe an den bisherigen elektronischen Medien und noch mehr an allen neuen auf uns zukommenden Informationssystemen zu vertreten.“ Der gelernte Drucker und Journalist begann seine Karriere 1941 als Buchverleger. Nach Kriegsende und kurzer Unterbrechung seines Hamburger Unternehmens startete er mit der Herausgabe eines Jahreskalenders 1945 durch. Schon damals hatte Springer große Visionen und wollte das größte Verlagshaus Europas aufbauen. 1946 hob er die TV-Programmzeitung Hörzu aus der Taufe, 1948 das Hamburger Abendblatt und 1952 die Bild-Zeitung. Es folgten Die Welt, Welt am Sonntag sowie zahlreiche andere Publikationen. Kurz vor seinem Tod veräußerte Springer 49 Prozent des Gesamtkapitals seines Verlagsimperiums an verschiedene Investoren und der Springer-Verlag ging an die Börse. Die Axel-Springer-Aktie wird seit 1985 gehandelt und wurde am 5. Juni 2007 in den SDAX® aufgenommen. Am 20. September 2010 stieg die Aktie in den MDAX® auf. Dieser Index enthält die 50 größten börsennotierten Aktiengesellschaften, die auf die Werte des DAX® folgen.

Quelle: HypoVereinsbank onemarkets Magazin, Mai 2012.

Nummer eins in Deutschland

So kontrovers mitunter über den Verlag und insbesondere über seine Boulevardblätter diskutiert wird – den deutschen Zeitungsmarkt führt das Flaggschiff, die Bild, unangefochten an: Keine andere Zeitung verkauft sich so gut wie die Bild, kein anderes Blatt erreicht täglich so viele Leser. „Die Bild-Zeitung konnte im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 12,1 Millionen Lesern erneut ihre Position als Europas reichweitenstärkste Tageszeitung behaupten“, verkündet Vorstandschef Mathias Döpfner im Vorwort des Geschäftsberichts 2011. Nicht ohne Stolz verweist er zudem darauf, dass die Axel Springer AG Marktführerin im deutschsprachigen Printgeschäft sei: „Gemessen an der verkauften Auflage sind wir die Nummer eins im Zeitungsgeschäft und die Nummer drei bei den Zeitschriften.“ Der Konzern rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich. „Wir gehen davon aus, dass leicht rückläufige Erlöse im nationalen und internationalen Printgeschäft durch steigende Erlöse bei den digitalen Medien mehr als aufgefangen werden können“, so der Konzern in seinem Ausblick für 2012.

Wie zielstrebig Springer weiterhin digital expandiert, verdeutlicht die Bündelung des Onlinegeschäfts. Der Konzern holte sich im vergangenen März den US-Finanzinvestor General Atlantic ins Boot und gründete ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture). Darin brachte Springer das führende französische Immobilienportal Seolger.com, das deutsche Immobilienportal Immonet und die europäische Jobbörse Stepstone ein. General Atlantic wird mit 30 Prozent beteiligt, Hauptgesellschafter ist Springer. Die US-Investoren zahlen nach Angaben der Axel Springer AG 237 Millionen Euro für ihren Anteil. Allerdings müsse die Kartellbehörde die Transaktion noch genehmigen. Das Gemeinschaftsunternehmen, das den Namen Axel Springer Digital Classifieds GmbH trägt, soll das „attraktive Geschäftsfeld der Online-Rubrikenmärkte zielgerichtet ausbauen“, teilte der Springer-Konzern mit.

Bündelung der Kräfte im Ausland

Neben dem boomenden Internetgeschäft verspricht auch das Auslandsgeschäft von Springer weiteres Wachstum. Die Strategie ist dabei die gleiche wie in der Onlinesparte: Der Konzern bündelt seine Kräfte gemeinsam mit anderen Unternehmen. So ist Springer durch Tochtergesellschaften, Joint Ventures und Lizenzierungen mit insgesamt mehr als 190 Zeitungen und Zeitschriften im Ausland vertreten. Insbesondere von den osteuropäischen Märkten erwartet der Berliner Medienkonzern deutliches Wachstumspotenzial. In der Region ist Springer gemeinsam mit dem größten Schweizer Medienhaus Ringier AG unter dem Namen Ringier Axel Springer Media seit zwei Jahren aktiv. Dank des Joint Ventures ist Springer in Polen, Tschechien, der Slowakei und in Serbien Marktführer im Segment der Boulevardzeitungen. Weiterhin agiert das Gemeinschaftsunternehmen in Ungarn und Russland. Dabei macht Springer in Osteuropa inzwischen nicht nur Umsatz, sondern Rendite von rund 20 Prozent erzielt, sagte der Vorstandsvorsitzende von Ringier Axel Springer Media, Florian Fels, der Financial Times Deutschland (FTD) im Februar. Wie gewinnträchtig das internationale Printgeschäft für Springer ist, zeigen die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr: Im Segment Print International betrug der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) knapp 74 Millionen Euro – ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2010. Aufgrund der aussichtsreichen Lage des Konzerns sowohl im digitalen als auch im Auslandsgeschäft sind viele Analysten hinsichtlich der künftigen Kursentwicklung der Axel-Springer-Aktie zuversichtlich. Derzeit notiert die Aktie bei 33,58 Euro. Die Axel Springer AG habe in den vergangenen fünf Jahren ihre Transformation von einem Printmarktführer zu einem internationalen Medienkonzern konsequent verfolgt, so die Analysten vom Bankhaus Lampe, die zudem davon ausgehen, dass der Markt die Entwicklung des Onlinegeschäfts noch nicht richtig eingepreist habe.

Rendite auch in Seitwärtsmärkten

Für Anleger, die vom Wachtumspotenzial des Medienkonzerns und einer künftig positiven Kursentwicklung der Aktie überzeugt sind, könnten Discount-Zertifikate und Aktienanleihen interessante Investments sein. So kostet ein Discount-Zertifikat, das sich auf die Aktie der Axel Springer AG bezieht 31,03 Euro, während die Aktie selbst zum gleichen Zeitpunkt bei 33,62 Euro notiert (Stand: 22.05.2012). Dieser Rabatt gegenüber dem Direktkauf hat allerdings seinen Grund. Discount-Zertifikate sind mit einem sogenannten Cap ausgestattet. Das ist eine Höchstgrenze, bis zu der die Anleger von einem Kursanstieg profitieren können. Notiert die Springer-Aktie am Laufzeitende des Zertifikats oberhalb des Caps von 34 Euro, erhalten die Anleger dennoch nur den maximalen Rückzahlungsbetrag. Für Anleger, die erwarten, dass die Aktie des Verlagshauses in den kommenden Monaten das heutige Niveau hält oder nur moderat steigt, kann eine Aktienanleihe interessant sein. Solange der Kurs der Springer-Aktie am Laufzeitende nicht unterhalb von 37 Euro notiert, bekommt der Anleger am Laufzeitende den Nennwert der Anleihe zu 100 Prozent zurück. Andernfalls erhalten Investoren eine festgelegte Zahl von Aktien. Das bedeutet in der Regel einen Verlust. Unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes wird der jährliche Zinssatz von 7,5 Prozent in bar ausgezahlt. Anleger sollten bedenken, dass Discount-Zertifikate und Aktienanleihen Inhaberschuldverschreibungen sind. Bei einer Insolvenz der Emittentin droht ein Verlust bis hin zum Totalverlust.

Weitere Info www.onemarkets.de

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